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By the way 262 – ich verstehe nicht viel. Aber dass Gier ein schlechter Ratgeber ist, das verstehe ich...

22.06.2017
Zurückgekehrt aus God’s own Country kommt erstmal vieles durcheinander. Die Flowers wollen aus dem Hair wieder entfernt werden, und des Nachts kommt der Heißhunger, Timeshift, Sie wissen schon. Und wenn ich dann morgens um Drei wieder mal wach bin, dann mach ich mir zwar kein Brot, aber ich mache mir Gedanken.

Naheliegend, dass nach einem San Francisco-Aufenthalt die Golden State Warriors in diesen Gedanken vorkommen. Spiel 4 und 5 der NBA-Finals gesehen und gedacht, dieser Kevin Durant sei ja schon kein Schlechter, aber warum all die Hysterie? Le Bron 23 war doch deutlich besser in meinen Augen, und trotzdem KD zum MVP der Finals gewählt worden. Versteh ich eben doch nix vom Basketball, wie auch? Selbst kaum gespielt, und im TV vor allem Fußball geschaut (außer Confed Cup), nie diesen Drang verspürt, mir auch noch die Nächte mit den coolen Korbjägern um die Ohren zu schlagen.

Verständnisprobleme auch ob der Reaktionen auf das Ableben des Oggersheimers. Die Einen erheben ihn zum Superhelden, die Anderen schütten noch am Tag des Bekanntwerdens seines Todes kübelweise Gift und Galle über ihn aus, obwohl bei vielen der Verdacht besteht, dass sie ihn gar nicht aktiv erlebt haben, weil zu jung. Normal gemessen geht heute wohl nicht mehr, nur kochend heiß oder klirrend kalt, Fanboy oder Hater, nix dazwischen. Gefällt mir nicht.

Und natürlich hat mir auch das Ergebnis der außerordentlichen Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart nicht gefallen, ganz klar. So wohltuend die räumliche Entfernung vom Herzensclub auch gewesen sein mag, 10.000 Meilen über das Meer immerhin, so gespannt habe ich natürlich trotzdem gleich nach der Landung noch in der Maschine den Day Pass gekauft und das Internet angemacht und geschaut, wie das alles ausgegangen ist. Habe nicht verstanden, warum von 12.000 anwesenden Stimmberechtigten nur 9.000 abgestimmt haben. Habe ohnehin noch nie verstanden, wie diese ganze Abstimmerei objektiv und nachvollziehbar ausgewertet wird. Immer den verschwörungstheoretisch perfekt gestylten Verdacht gehabt, dass die VfB-Juristen da quasi schon vor der Versammlung die entsprechenden Charts erstellen, Dietrich 58 Komma ungrad Prozent, nicht zu viel und nicht zu wenig, soll ja keiner glauben, dass das nicht realistisch wäre, und jetzt halt satte Mehrheit, überzeugendes Votum der Mitglieder, klare Sache...

Aber was soll’s auch – schon im Vorfeld war bei einigen eine gewisse Resignation zu spüren, mancher wollte gar nicht erst hingehen, andere kündigten den Vereinsaustritt an. Selbst Rainer Mutschler, der Mutsch, eigentlich schon zum Vereinsinventar gehörend, geht zum 30. Juli, warum auch immer. Ich nicht, ich geh weiter hin, Dauerkarte, Bonzensteg, volles Programm. Und erwarte nichts. Warum auch? Ist doch alles so wie immer. Trikotgate typisch VfB und nur angemessen, dass die neuen Leibchen jetzt mit Trauerflor daherkommen. Immerhin gilt es, das Ableben des eingetragenen Vereins zu betrauern, abgemurkst von der Gier nach dem Geld, nach 41,5 Millionen zunächst mal. Für diese Summe verpflichtet der FC Bayern einen jungen Franzosen, während in Stuttgart auch nach der Ausgliederung vor allem der Abgang von Toni Sunjic gefeiert und auf die starken Neuzugänge weiterhin gespannt gewartet wird. Vergeblich gewartet wird, vermutlich. Hoffentlich sind wenigstens die Bagger ordentlich motorisiert, die unsere Trainingsplatzwüsten dank Ausgliederungskohle in blühende Landschaften verwandeln sollen.

Und dann kommt auch noch die FIFA um die Ecke mit einem neuen Papier, das den Fußball mal wieder revolutionieren soll. Just während der Confed-Cup die gierige Profitmaximierung des Profifußballs uns allen allzu deutlich vor Augen hält und die Champions League aus dem öffentlich-rechtlichen TV verschwindet. Dass ein Spiel 60 Minuten dauert, will mir noch nicht richtig in den Kopf, manch anderes mag Sinn machen. Aber dass dieses Papier ausgerechnet „PlayFair!“ heißt, mit Ausrufezeichen hintendran, dass soll mal einer verstehen. Gab es da nicht grade noch mengenweise Berichte über einen Verein gleichen Namens, der kritisiert, im Fußball ginge es immer nur noch um noch mehr Geld?


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