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By the way 283 – Mitgliederversammlung VfB Stuttgart. Rede und Fazit...

06.12.2017
Am Sonntag, 3. Dezember 2017 die Jüngste morgens um Acht noch zum Volleyball nach Wiesloch gefahren, dann schnell wieder heim, Morgenroutine, und ab zur Messe Stuttgart. Um kurz vor Elf an der Halle, zehn Minuten in der Saukälte warten, bis sie uns einlassen. Gleich zum Wortmeldungscounter, Redebeitrag angemeldet – erstaunt zu hören bekommen, ich sei der Erste. Erstaunt, und gleichzeitig erfreut, denn jetzt war eigentlich schon klar, dass ich zum Reden kommen würde.

Um 13 Uhr die leere Halle überblickt, die Leute gesehen und gedacht: Heute geht alles durch, was der VfB will. Nach pünktlichem Beginn und zügigen Berichten mit allzu häufigem Wohlfühlapplaus stand ich schon ca um 1430 auf dem Podium und sagte Folgendes (minimale Abweichungen vom Wortlaut möglich):

„Liebe Mitglieder,
wow, Erster, da kann schon Keiner per Antrag abbrechen lassen. Denn unter uns Mitgliedern findet sich ja immer das eine oder andere Exemplar, das den Tagesordnungspunkt „allgemeine Aussprache“ per Antrag vorzeitig beenden lässt. Und dann finden sich leider viel zu viele Exemplare, die einem solchen Antrag zustimmen. Einem Antrag wie dem von Julian Osswald auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni dieses Jahres.

Liebe Mitglieder, dass muss man sich mal vorstellen: Der Herr Osswald, der ist Oberbürgermeister von Freudenstadt, vom Volk gewählt. Und jetzt will er sich auch zum Vereinsbeirat wählen lassen und brüstet sich in den Wahlunterlagen – und jetzt Achtung – mit seinem „langen Kampf für die Stärkung der Mitgliederbeteiligung“! Schauen Sie doch nochmal rein, das steht da wirklich.

Ein und derselbe Mann, OB noch dazu, lässt im Juni im Neckarstadion per Antrag die allgemeine Aussprache beenden und stellt sich jetzt hin und faselt von seinem Einsatz für die Stärkung der Mitgliederbeteiligung.

Wie opportun kann man sein, Herr Osswald! Ist Ihnen das eigentlich nicht selbst peinlich? Rhetorische Frage, natürlich ist Ihnen das nicht peinlich. Sonst wären Sie nämlich gar nicht angetreten.

Liebe Mitglieder, macht so was bitte nicht mit. Wählt nicht einen Opportunisten wie den Herrn Osswald als Vereinsbeirat im Bereich Wirtschaft und Gesellschaft. Wählt auch nicht einen wie Erich Hägele, einen, der immer da ist wo es warm rauskommt. Und beim VfB kommt’s halt ziemlich warm raus. Einer, der den VfB seinen Herzensverein nennt, gleichzeitig aber auch den BVB Fanclub „Schwäbische Liebe“ in Backnang mit gründet und quasi im Minutentakt Lobhudeleien an die halbe Bundesliga verteilt. Nach Hoffenheim, Leipzig, Freiburg, München, hab ich was vergessen, Herr Hägele? Sind Sie sonst noch irgendwo engagiert?

Also liebe Leute, wählt bitte keine derartigen Opportunisten. Wählt stattdessen lieber diejenigen Kandidaten, die integer sind, die den VfB wirklich im Herzen tragen und die auch inhaltlich was beitragen können. Ich denke da an einen Sportökonomen mit unglaublich viel Fachwissen im Bereich des Profifußballs, und an eine ehemalige Rektorin mit angenehmer Zurückhaltung. Und auch der Unternehmer mit türkischen Wurzeln ist wählbar, auch wenn ihm da neulich ein falsches Foto rausgerutscht ist.

Heute zur Wahl hätten übrigens weitere integre Menschen stehen können – wenn man sie denn gelassen hätte. Zum Beispiel einen langjährigen Business-Kunden und Vollblut-VfBler, einen absolut untadeligen, den besten Menschen, den ich kenne, hoch angesehen in Wirtschaft und Gesellschaft, größter aller VfB Fans, geradezu der ideale Vereinsbeirat – den haben Sie, Herr Dietrich, verhindert. Den haben Sie und Ihr Wahlausschuss mit Null zu Sieben Stimmen abgelehnt. Mit Null zu Sieben!! Was für ein Wahlausschuss ist das bitteschön?

Liebe Mitglieder, ist Euch aufgefallen, dass im Bereich „Sport und Verein“ nur vier Kandidaten zur Wahl stehen? Von denen zwei Mitglieder des Ehrenrates sind, sich also quasi als Mitglieder im Wahlausschuss selbst mit abgenickt haben? Was da wohl dahintersteckt? Doch nicht etwa, dass der Wahlausschuss hier unbedingt jemand durchbringen will? Überhaupt ließe sich noch viel sagen zu einzelnen Kandidaten und dazu, warum man die lieber nicht wählen sollte. Ganz viel Opportunismus am Start hier.

Zu den Präsidiumskandidaten nur soviel: Dass der Hitz ein Guter ist, der dem VfB gut tut, das wissen wir wohl alle. Soll er also möglichst viele Stimmen kriegen.

Dass Dr. Gaiser ein Mann ist, der die Winkelzüge des Aufsichtsrates wunderbar mitspielen kann, weil er selbst seit Jahren Teil dieses da leider herrschenden Geflechts ist, das wissen wahrscheinlich eher wenige. Aus Sicht des Aufsichtsrates wäre er wohl ein geeigneter Nachfolger für Wolfgang Dietrich. Das, liebe Mitglieder, solltet Ihr bei Eurer Wahlentscheidung für oder gegen Dr. Gaiser bedenken.

Zeit gleich um, zum Ende kommen. Die auf der Tagesordnung stehenden Satzungsänderungen wurden bereits seit Jahren immer wieder abgelehnt. Zu Recht abgelehnt. Aber der Verein bringt sie wohl so lange immer wieder auf die Tagesordnung, bis es halt mal durchgeht. Bis zum Beispiel auf einer kleineren Versammlung wie heute nach den Personenwahlen alle nach Hause gehen und nur noch so genannte „Mitmacher“ anwesend sind, die im Sinne des Vereins abstimmen. Liebe Mitglieder, geht nicht vorzeitig nach Hause. Bleibt hier und stimmt gegen die Satzungsänderungen.

Zum Schluss drei Fragen ans Podium:

Erstens: Herr Reschke, Herr Dietrich, was ist denn jetzt mit der Zweiten Mannschaft? Schon klar, dass Sie hier und heute lieber nicht konkret werden wollen. Auch klar, dass die Entscheidung längst gefallen ist, die Berater der Spieler suchen ja schon nach neuen Vereinen. Aber hier und heute ist halt die Mitgliederversammlung, genau da ist die Gelegenheit, den Mitgliedern reinen Wein einzuschenken anstatt der fürchterlichen Glühwein-Plörre, die es aufs Haus gibt.

Zweitens: Was ist mit unserem Trainer und dem BVB? Will er gehen, soll er gehen, darf er gehen?

Drittens: Herr Dietrich, können Sie ausschließen, dass ein von der Quattrex-Gruppe kontrollierter oder sonst in Verbindung zur Quattrex-Gruppe stehender Investor Anteile an der VfB-AG übernimmt?

Danke für Eure Aufmerksamkeit.“

Dass Wolfgang Dietrich mir wohl wegen der völlig neutral vorgetragenen Frage nach der Quattrex und Anteilen an der VfB-AG nach dem Verlesen einer offenbar vorbereiteten Antwort gleich mal vereinsschädigendes Verhalten vorwarf, das verstehe ich nicht. Denn wenn mit dem Dietrichschen Firmengeflecht alles so korrekt ist, wie der Präsident immer behauptet, dann weiß ich nicht, warum den Verein schädigt, wer danach fragt. Noch dazu auf einer Mitgliederversammlung im Rahmen einer Generaldebatte. Aber mit dem Beantworten von Fragen hat er es ja ohnehin nicht so, der Präsident „aller“ VfB-Mitglieder, die er wenige Minuten vorher noch „Mitstreiter“ genannt hatte, weil ja angeblich auch die kritische Auseinandersetzung gewünscht ist.

Dass Julian Osswald vom Podium runter ziemlich angefressen über mich geredet hat, das ist verständlich. Genauso verständlich aus meiner Sicht allerdings, einen derartigen Opportunisten nicht zu wählen.

Fazit: Osswald und Hägele nicht gewählt, dafür Bühler gewählt. Satzungsänderung zum Thema Fernabstimmung abgelehnt. Das bedeutet, alles, was zu erreichen war, wurde erreicht. Und ich finde, man hat gesehen, dass eine solche Mitgliederversammlung dann doch keine reine Folklore ist. Noch nicht...


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